Manchmal setzt du dir ein Ziel und bist dir wirklich sicher, dass du es schaffst.
Und dann läufst du und merkst am Ende: knapp daneben. Und die Frage ist, was du daraus machst.
Ich habe im Urlaub einen 10 km Wettkampf gegen mich selbst gemacht. Kein offizielles Rennen, kein Publikum, nur ich und die Uhr. Mein Ziel war unter 60 Minuten. Geworden sind es 1:04. Und ja, ich war erst mal traurig.
Aber hier ist, was ich daraus mitnehme, warum ich es bald nochmal probiere und warum ich glaube, dass ein Wettkampf gegen dich selbst mindestens genauso wichtig ist wie ein offizielles Rennen.
Das Setup
Wir waren im Urlaub in einer Gegend mit einigen Seen. Ich habe mir einen ausgesucht, der einen Umfang von 2,7 Kilometern hatte. Perfekt für einen 10er in Runden.
Der Plan war einfach: vier Runden um den See, also 10,8 Kilometer, und meine Zeit stoppen. Als Ziel hatte ich mir sub 60 Minuten in den Kopf gesetzt. In meinen Trainingsläufen zu Hause komme ich auf 10 km auf etwa 60 Minuten Pace, wenn ich ambitioniert laufe. Im Urlaub, ausgeruht und motiviert, sollte das drin sein.
Der Lauf
Die Runden liefen grundsätzlich gut. Ich habe die ganze Zeit nicht auf die Uhr geschaut, sondern nur auf mein Gefühl geachtet. Ich fühlte mich schnell und leicht. Zwei Runden bin ich in die eine Richtung gelaufen, dann habe ich einmal gedreht (da hatte ich dann ein viel zu langes Stück leicht bergauf) und die dritte Runde wieder andersherum.
Es waren viele Spaziergänger unterwegs, die mich nicht rechtzeitig wahrnahmen. Und meine Uhr hat die Strecke, glaube ich, nicht ganz so gut erfasst.
Im Ziel dann die Enttäuschung: Ich habe länger gebraucht, als ich wollte. Ich habe trotzdem alles gegeben, was ich hatte. Und am Ende stand da: 1:04:05.
Vier Minuten drüber. Genug, um traurig zu sein.
Warum ich erst mal traurig war
Traurig, weil ich mir wirklich sicher war. Weil ich mich mental darauf eingestellt hatte, dieses Ziel zu erreichen. Weil ich mir gewünscht hatte, dass mein Körper nach dem Halbmarathon-Training einfach so unter 60 Minuten läuft.
Es ist eine seltsame Form von Enttäuschung, wenn du gegen dich selbst antrittst. Es gibt keinen anderen Grund als deine eigene Erwartung. Und wenn du sie verpasst, ist es nur dein Gefühl, das gekränkt ist.
Ich habe mir den Rest des Tages gegeben, um damit umzugehen. Einfach akzeptieren, dass ich enttäuscht bin.
Was ich dabei nicht bedacht habe
Am Abend habe ich mich ehrlich hingesetzt und überlegt, ob die 1:04 wirklich mein reales Level sind. Und dabei kamen ein paar Punkte, die ich beim nächsten Versuch anders angehen werde.
GPS-Ungenauigkeit: Meine Uhr misst nicht perfekt. Vor allem in Bereichen mit vielen Bäumen oder engen Wegen kann die Distanz verrauscht werden. Vielleicht bin ich tatsächlich mehr als 10 km gelaufen, ohne dass es angezeigt wurde.
Höhenmeter: Der Weg um den See war nicht komplett flach. Kleine Hügel und Anstiege summieren sich, gerade wenn du sie viermal machst. Auf flachem Terrain wäre die Pace vielleicht anders gewesen.
Menschen auf der Strecke: Ich musste mehrmals ausweichen, kurz stehen, überholen. In Summe geht Zeit verloren, ohne dass du sie im Moment als groß empfindest.
Zusammen genommen bedeutet das: Ich weiß nicht, ob ich die 60 Minuten heute schon knacken kann. Aber ich weiß, dass ich sie im richtigen Setup vielleicht schaffen könnte.
Was ich mitnehme
Erst mal: einen echten Wettkampf gegen sich selbst zu machen, ist gar nicht so einfach. Ohne die Rennatmosphäre bist du nur auf dich gestellt. Kein Publikum, keine anderen Läufer im gleichen Tempo, keine Verpflegungsstationen, kein Zieleinlauf. Das ist mental eine andere Aufgabe als in einem offiziellen Rennen.
Trotzdem war der Lauf wertvoll. Ich habe herausgefunden, dass ich auf 10 km meiner Zielzeit schon sehr nah dran bin. Ich habe gesehen, wo mein Kopf mitgeht und wo nicht. Ich habe eine ehrliche Baseline.
Und ich habe verstanden, dass ich noch nicht am Ende bin. Wenn ich es beim nächsten Versuch angehe, auf einer flachen, gut gemessenen Strecke, ausgeruht und mit klarem Kopf, dann liegen die 60 Minuten in erreichbarer Nähe.
Was ich beim nächsten Versuch anders mache
- Flache Strecke wählen: Nicht am See, sondern auf einer flachen Runde.
- Wenig Menschen: Frühmorgens oder in einer ruhigen Zeit, damit ich nicht ständig ausweichen muss.
- Zwei GPS-Trackings parallel: Uhr und Handy laufen gleichzeitig, um Messfehler zu erkennen.
Warum ich bald nochmal probiere
Weil ich es wissen will. Nicht, um irgendjemand anderem etwas zu beweisen. Sondern, weil ich meinem eigenen Gefühl trauen möchte.
Meine Idee war, unter 60 Minuten zu laufen. Dieses Ziel steht immer noch. Und ich glaube, dass mein Körper es kann. Ich muss nur die Bedingungen so setzen, dass er es zeigen kann.
Falls du auch gerade an einer Zielzeit dran bist und knapp verpasst hast: das ist okay. Enttäuschung ist ein realistisches Gefühl. Trotzdem muss es nicht das Ende der Geschichte sein. Wenn du ehrlich analysierst, was drum herum passiert ist, findest du fast immer Sachen, die du beim nächsten Mal anders machen kannst.
Und dann versuchst du es einfach nochmal.


